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Auslöser für das Wachstum von Romanshorn

 

(aus: Seeblick vom 24. Mai 2013)

 

Die Bevölkerung und die Bautätigkeit von Romanshorn nehmen derzeit stark zu. Die Stadtentwicklerin blickt zurück auf frühere Wachstumsphasen und zeigt auf, wie die heutige Situation einzuschätzen ist.

 

Vor genau 160 Jahren wurde der Hafen von Romanshorn erweitert, damit auch Dampfschiffe anlegen konnten. Gleichzeitig entstand der Eisenbahnknotenpunkt mit Verbindungen nach Winterthur (seit 1855), Rorschach (1869), Konstanz (1871) und St. Gallen (1910). Dabei fiel der Gemeinde Romanshorn die Verkehrsdrehscheibe nicht einfach in den Schoss, sondern sie musste insbesondere für die Seelinie jahrelang lobbyieren. Die neu vorhandenen Verkehrsinfrastrukturen verbesserten die Erreichbarkeit benachbarter Zentren enorm und begünstigten die Industrialisierung, sodass im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts, d. h. in der sogenannten Gründerzeit, die Einwohnerzahl um das 2½-Fache zunahm (siehe Grafik). In dieser Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs wurden vor allem entlang der Allee-, der Bahnhof- und der Hafenstrasse sowie unmittelbar nördlich des Bahnhofs wohlproportionierte, häufig klassizistische Bauten erstellt, die zu einem grossen Teil noch heute bestehen und an den damaligen wirtschaftlichen Aufschwung erinnern.

 

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erlebte Romanshorn nochmals eine Blütezeit, in welcher zahlreiche, das Ortsbild prägende Bauten entstanden. Dazu gehören die beiden stattlichen, imposant auf Anhöhen platzierten Kirchen sowie zahlreiche herrschaftliche Jugendstil Eckhäuser an Strassengabelungen (z. B. Allee-/Zelgstrasse, Bahnhofstrasse/ Friedhofallee oder Bahnhof-/Hafenstrasse).

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es infolge allgemein starken Bevölkerungswachstums auch in Romanshorn einen Bauboom, in welchem u. a. die beiden je 13-geschossigen Hochhäuser erstellt wurden.

 

Nun stellt sich die Frage, weshalb Romanshorn heute wiederum überdurchschnittlich wächst und als Wohnort so begehrt ist. Verantwortlich dafür ist einerseits die attraktive, sonnige Lage am Bodensee. Anderseits bestehen ein reichhaltiges Bildungs- und Freizeitangebot, eine hervorragende Erreichbarkeit von benachbarten wirtschaftlichen und kulturellen Zentren sowie der Flughäfen Zürich, Friedrichshafen und Altenrhein. Zusätzlich sind die Boden- und Mietpreise im Vergleich zu anderen attraktiven Städten relativ moderat. Diese Voraussetzungen und die ganz allgemein gestiegene Flexibilität der Gesellschaft bezüglich der Wahl des Wohn- und Arbeitsortes begünstigen das Wachstum. So schätzen insbesondere Haushalte mit Personen, die an unterschiedlichen Orten erwerbstätig sind (z. B. Doppelverdienende) die Qualitäten, wie sie in Romanshorn bestehen.


Ein weiterer wesentlicher Wachstumsmotor ist die beabsichtigte Bodensee-Thurtalstrasse (BTS), welche von der Thurgauer Stimmbevölkerung im Herbst 2012 befürwortet wurde. Diese geplante Hochleistungsstrasse hat vor allem für Investoren, aber auch für andere Akteure eine bedeutende Vorwirkung auf ihre Tätigkeit im Immobilienmarkt. Es ist heute schon sichtbar, dass diesen Akteuren bewusst ist, dass der funktionale Raum Romanshorn-Salmsach eine deutlich schnellere Strassenverbindung Richtung Frauenfeld–Winterthur–Zürich erhalten wird, was nicht nur den Wohn- und Arbeitsort Romanshorn-Salmsach, sondern auch die Freizeitinfrastruktur am Bodensee noch attraktiver macht.

 

Dieses erwähnte Wachstum dürfte weiterhin anhalten, allenfalls sogar zunehmen, da in Romanshorn derzeit diverse Areale stark unternutzt sind. Damit sind die Grundvoraussetzungen für Prosperität gegeben. Allerdings zeigen Erfahrungen anderer Städte, dass starke Veränderungen, wie sie derzeit angelaufen sind, sorgsam und umsichtig begleitet werden sollen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die von der Gesellschaft und der Wirtschaft gestellten Qualitätsanforderungen nicht erfüllt werden.


Es geht somit darum, im Rahmen der anstehenden Aktualisierung der Kommunalplanung möglichst gute Voraussetzungen für das Erhalten und Fördern der spezifischen Qualitäten von Romanshorn zu schaffen. Zudem ist für das Beleben von Entwicklungsarealen situativ angepasstes Vorgehen zielführend. Diese Aufgaben sind Bestandteil des Portfolios der Stadtentwicklung.

 

 

Nina Stieger, Stadtentwicklerin in Romanshorn