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Die Entwicklung der Romanshorner Bäder

Abb. 1: Kastenbad auf Stelzen beim «Inseli» (1864–1912)
Abb. 2: Badeanstalt Volksgarten mit Reitschule (um 1910)
Abb. 3: Projekt zur Kuranstalt Romanshorn (1870)
Abb. 4: Seebadeanstalt (1912–1970)
Abb. 5: Uferbad, auch als «Trockenbadi» bezeichnet (1912–1970)
Abb. 6: Badeplatz Holzenstein (seit ca. 1912)
Abb. 7: Heutiges Schwimm- und Erlebnisbad Romanshorn

 

(aus: Seeblick vom 9. Januar 2015)

 

Die erste Badeanstalt von Romanshorn entstand 1856. Die Geschichte der Bäder zeigt den gesellschaftlichen Wandel mit den sich ändernden Bedürfnisse während den letzten rund 160 Jahren. Sie steht in engem Zusammenhang mit der Entstehung des Hafens, des Verkehrsknotens, der Industrialisierung sowie den demografischen Veränderungen und gibt Anregungen für die Zukunft.

 

 

Privates Engagement

Mit dem Bau des Hafens ab 1840 setzten in Romanshorn die Industrialisierung und ein starkes Bevölkerungswachstum ein. In den Wohnhäusern gab es damals kein fliessendes Wasser und die persönliche Hygiene in den relativ dichten Überbauungen war schwierig. Auch der zunehmende Tourismus ergab ein Bedürfnis für eine Badeanstalt.  Auf Initiative der gemeinnützig tätigen «Gesellschaft Eintracht» entstand in der Nähe der heutigen Schiffswerft im Jahr 1856 die erste öffentliche Badeanstalt am schweizerischen Bodenseeufer. Sie wurde als Pfahlbaute erstellt (siehe Abb. 1) und bot kalte und warme Seebäder an. Da die Wasserverhältnisse wegen des schwankenden Seespiegels nicht befriedigten und weil die Nordostbahn das Gelände für den Bau einer Schiffswerft sowie für andere Bauten und Anlagen benötigte, wurde im Jahr 1864 die Badeanstalt neben den Molassefelsen «Inseli» versetzt (Abb. 1). Im Volksgarten (heute Neustrasse 12), welcher zeitweise im Besitz der Nordostbahnen war, wurde um 1900 eine öffentlich zugängliche Badeanstalt errichtet (Abb. 2. Weitere Bademöglichkeiten gab es in sogenannten Badstuben an der Kindergarten- und der Neuhofstrasse.

 

Vision einer grossen Bäderlandschaft

Im Jahr 1870 entstand die private Projektidee, südlich der Hafen- und Bahnhofsanlagen eine grosse Bäder- und Wellnessanlage zu erstellen (Abb. 3). Die Gemeinde hatte einen ansehnlichen Unterstützungsbeitrag an die privaten Initianten geleistet, doch kam die Realisierung wegen ungenügender finanzieller Mittel nicht zustande.

 

Vom Nutz- zum Genussbad

Nach dem Scheitern einer attraktiven Bäderlandschaft zeichnete sich dennoch ein Wandel bezüglich Komfortansprüchen ab. Vielen Romanshornerinnen und Romanshornern genügte das kleine, als beengend eingestufte Kastenbad beim «Inseli» nicht mehr. Es begannen heftige Diskussionen, ob die bisherige strikte Trennung der Geschlechter und die Nichteinsehbarkeit auch am Ufer sichergestellt werden könne. Schliesslich wurden im Jahr 1912 sowohl am Ufer wie auch im Wasser neue Badeanstalten realisiert. Das neue Seebad entstand wiederum in der Nähe des «Inselis» (Abb. 4). Vom Zugangssteg aus rechts war das Bassin für die Frauen, links jenes für die Männer. Die Böden der Bassins waren an den Wasserstand und die Körpergrössen der Badenden anpassbar. Das Uferbad wurde «Trockenbadi» genannt und lag nördlich des heutigen Hydrelareals (Abb. 5), in der Verlängerung der Fussgängerbrücke über das Bahngleis. Hier gab es Wiesen zum Spielen und Sonnenbaden. Das Bad blieb bis 1946/47 geschlechtergetrennt.

 

Aneignung von Raum

Obschon die Uferbadeanstalt nur 750 Meter von Holzenstein entfernt erbaut wurde, beurteilten Bewohnerinnen und Bewohner dieses Gemeindeteils die Entfernung als zu gross. Sie ergriffen danach selber die Initiative und gründeten einen eigenen Badeplatz. Die Grundeigentümer beklagten sich wiederholt beim Gemeinderat über das freche Benehmen der Badegäste und forderten ein Badeverbot. Ab 1923 richtete die Gemeinde aus sittlichen Gründen einen Lattenzaun ein, um die Badenden zumindest bezüglich landseitiger Einsehbarkeit abzuschirmen. Der Badeplatz besteht noch heute und ist aufgrund seiner idyllischen Lage sehr beliebt (Abb. 6).

 

See-, Schwimm- und Erlebnisbad

In Romanshorn sind das Baden und der Wassersport nach wie vor wichtig und attraktiv und haben auch für die Zukunft hohe Bedeutung. Das zeigte sich nicht nur an der deutlichen Zustimmung zum Baukredit für das Schwimmbad im Jahr 1966, sondern auch heute, wo das Bad eine überregionale, hohe Anziehungskraft aufweist (Abb. 7). Am mehrstufigen Workshopverfahren «Begegnungsräume» sind zahlreiche Vorstellungen bezüglich weiterer Aufwertung des Uferbereichs und zur Verbesserung von Angeboten und  Erreichbarkeit festgehalten worden. Für die Umsetzung von solchen Ideen ist jedoch stets ein hohes Engagement breiter Bevölkerungskreise, privater und öffentlicher Institutionen notwendig.

 

 

Nina Stieger, Stadtentwicklerin