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Flexible und gemischte Nutzung in der Innenstadt

 

(aus: Seeblick vom 19. Juli 2013)

 

Eine wichtige Aufgabe der Stadtentwicklung besteht darin, darauf hinzuwirken, dass die Innenstadt gemischt genutzt wird. Dabei sollen Handels- und Dienstleistungsbetriebe ebenso wie Gastronomie, Kultur und Wohnen genügend Entfaltungsmöglichkeiten finden.


Noch vor 20 bis 30 Jahren waren viele Gemeinden in der Schweiz bestrebt, Wohn- und Arbeitsstätten zu trennen. Durch die hohe Nachfrage nach Büroarbeitsplätzen wurden vielerorts Geschäftsviertel geschaffen, die nur tagsüber belebt und bereits am Abend und an den Wochenenden tot und verlassen sind. Dieses unerfreuliche Erbe besteht in Romanshorn glücklicherweise nicht, doch ist der gemischten – gegenseitig verträglichen – Nutzung Sorge zu tragen.

 

Die Romanshorner Innenstadt zeichnet sich durch ihre Nähe zum Hafen und zum Bahnhof aus. Es ist eine Innenstadt, wo alles in Fussdistanz erreichbar ist. Dementsprechend attraktiv ist der Ort für Läden, Gastronomie, Dienstleistungsbetriebe und für das Wohnen. Für das Wohlbefinden im öffentlichen Raum ist wichtig, dass sieben Tage in der Woche Menschen anzutreffen sind. Es geht somit darum, die Voraussetzungen dazu zu schaffen.

 

Bei der Nachfrage der einzelnen Nutzer/innen gibt es im Laufe der Zeit immer wieder Veränderungen. Mit dem Dienstleistungsboom Ende der 1980er-Jahre wurden Wohnungen in Innenstädten zweckentfremdet. Solche Büros weisen allerdings oft ein Komfort- und Flexibilitätsproblem auf, sodass sie bei Gelegenheit in moderne, oftmals weniger gut an das Verkehrsnetz angebundene Bürogebäude verlegt werden, was zu einem Leerstand in der Innenstadt führen kann.

 

Nach dem Dienstleistungsboom besteht derzeit gesamtschweizerisch ein Wohnungsboom, dessen Ende durch das allgemeine Bevölkerungswachstum, aber auch die Zunahme von Einpersonenhaushalten und Zweitwohnungen noch nicht absehbar ist. Dennoch ist es notwendig, bei der Erstellung von Ersatzneubauten vor allem in Innenstädten auf die Nutzungsflexibiltiät besonders zu achten. Dazu gehört neben flexiblen Gebäudestrukturen auch ein sorgfältiger Umgang mit dem Aussenraum und der Verkehrserschliessung. So sollte heute eine unterirdische Parkierung mit möglichst direktem Zugang von einer Hauptverkehrsoder Sammelstrasse und möglichst ohne Beeinträchtigung des Fussverkehrs ebenso selbstverständlich sein wie für das Wohlbefinden der Menschen angemessene Grünflächen.

 

 

Nina Stieger, Stadtentwicklerin in Romanshorn