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Persönlichkeiten im Romanshorner Strassenverzeichnis

Jakob-Schoop-Weg mit städtischer Gartenanlage und Brunnen von 1871

 

(aus: Seeblick vom 28. Mai 2014)

 

Als Romanshorner Stadtentwicklerin interessieren mich nicht nur die heutige und die künftige Entwicklung der Stadt, sondern auch die Vergangenheit. Diese wird nicht nur durch Bauten und Anlagen sowie durch Reminiszenzen von Bewohnerinnen und Bewohnern vergegenwärtigt, sondern auch durch die Benennung von Strassen, Wegen und Plätzen.

 

 

Im Eigenheimquartier werden zahlreiche Prominente geehrt

 

Das traditionelle Eigenheimquartier entstand hauptsächlich im Zeitraum zwischen 1900 und 1940, teilweise basierend auf dem damals angewendeten Strassen- und Überbauungsplan aus dem Jahr 1900. Bei der Benennung von Strassen im Eigenheimquartier fällt auf, dass verschiedene national und international bekannte Persönlichkeiten geehrt werden, so mit der Deucherstrasse (Adolf Deucher, 1831–1912, Thurgauer Regierungsrat und Bundesrat), der Pestalozzistrasse mit dem angegliederten Pestalozzi-Platz (Johann Heinrich Pestalozzi, 1746–1827, Pädagoge), der Scheffelstrasse (Joseph Victor von Scheffel, 1826–1886, Dichter), der Schillerstrasse (Johann Christoph Friedrich von Schiller, 1759–1805, Dichter) und der Waldmannstrasse (Hans Waldmann, 1435–1489, Heerführer und Zürcher Bürgermeister).

 

Die Bezeichnung der Konradstrasse hingegen hat einen lokalen Bezug, indem Viktor Konrad, als ansässiger Geschäftsmann, im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, Bauherr der meisten Wohnhäuser an der Konradstrasse war.

 

 

Strassenbenennungen zur Ehre von angesehenen Schweizern

 

In Romanshorn wurde ab dem Jahr 1879 das Anbringen von Strassentafeln eingeführt. Offenbar konnten häufig die Anwohner mitbestimmen, wie ihre Strasse oder ihr Zugangsweg künftig benannt werden soll. So erklärt sich, dass damals sehr bekannte Schweizer Dichter und Schriftsteller mit Strassennamen geehrt wurden. Dazu gehören Carl Spitteler (1845–1924), Gottfried Keller (1819–1890), Jeremias Gotthelf (1797–1854) und Meinrad Lienert (1865–1933). Ebenfalls mit einer Strassenbezeichnung geehrt wird der in Konstanz geborene General und IKRK-Mitbegründer Guillaume-Henri Dufour (1787–1875).

 

 

Romanshorner Einwohnerinnen und Einwohner mit besonderen Verdiensten

 

Der erste prominente Romanshorner, welcher mit einer Strassenbenennung geehrt wurde, ist Jakob Schoop (1859–1952). Er war nicht nur ein bekannter Schreiner, sondern auch Kantonsrat, Bürgerrat und vor allem auch Chronist. Als mit seinem Ort verbundener Mensch, versah er seinen Absender jeweils entweder mit Holz oder mit Holz-Romanshorn. An diesem Ort befindet sich dementsprechend der Jakob-Schoop-Weg, geschmückt durch eine daran angrenzende städtische Gartenanlage (siehe Abbildung).

 

Im Jahr 2001 kam dem lange Zeit in Romanshorn lebenden Kunstmaler Ludwig Demarmels (1917–1992) die Ehre einer nach ihm bezeichneten Strasse zu. Mit dem Maria-Stader-Weg erhielt im Jahr 2009 erstmals eine Frau eine solche Anerkennung. Maria Stader (1911–1999) war eine international bekannte Sopranisitin und wuchs als gebürtige Ungarin in Romanshorn auf.

 

Die jüngste, kürzlich erfolgte Strassenbenennung soll an Martin Hälg-Stamm (1914–2011) erinnern. Sie ist vor allem bekannt als erste Frau im Thurgauer Kantonsrat und Kämpferin für die Gleichstellung von Frau und Mann.

 

 

Nina Stieger, Stadtentwicklerin