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Romanshorner Hafenkran hat Ausstrahlung

Abb. 1: Der Hafenkran Romanshorn hilft, den neuen Raddampfer «Rhein» fertig auszurüsten (Herbst 1906)
Abb. 2: In Romanshorn werden die beiden Antriebsmotoren in die «Allgäu» eingebaut (März 1930)
Abb. 3: Das Raddampfschiff «Helvetia» wird ausgebaut (1932)
Abb. 4: Die «Helvetia» wird im Bodensee versenkt, da der Schrotterlös zu tief gewesen wäre (September 1932)
Abb. 5: Letztes Schiff aus der Nordostbahn-Zeit, die «St. Gotthard» (rechts), wird abgebrochen (1943/44)
Abb. 6: Auf einem Trajektkahn gekippter Güterwagen wird gehoben (1916)
Abb. 7: Besuch von General Guisan am 6. Oktober 1943 in Romanshorn, um Hebearbeiten des amerikanischen Bombers B-17 zu besichtigen
Abb. 8: Werfthafenkran Romanshorn, mit Eisenbahngleis (2014)
Abb. 9: Verweilen mit Sicht auf hochtechnisierte Hafenkrans in Rotterdam

 

(aus: Seeblick vom 27. Juni 2014)

 

Seit ein paar Monaten pilgern tausende von Leuten an den Limmatquai von Zürich, um dort einen aus Rostock herantransportierten alten Hafenkran zu besichtigen. Jener der Hafenstadt Romanshorn ist zwar bisher weniger bekannt, hat jedoch eine grosse Geschichte und verrichtet noch heute seine Dienste.

 

 

Hafenkran als Sinnbild für Ferne

 

Im Blickfeld der Öffentlichkeit waren bisher vor allem die Hafenkräne im Bereich des Fähr- und der Bootshäfen von Romanshorn. Die grösste Anlage, ein sogenannter Hammerkran, steht jedoch auf der Mole des Werfhafens. Noch heute ist das zu ihm führende Eisenbahngleis gut erkennbar (Abb. 8).

 

Hafenkräne sind für viele Menschen Sinnbild für Weite, Ferne und Urbanität. Sie gelten als Impulsgeber für die wirtschaftliche Prosperität. Nachfolgend sollen wichtige, mit Fotos dokumentierte Ereignisse im Zusammenhang mit dem Werftkran von Romanshorn in Erinnerung gerufen und anhand dieses Industriezeugen die vom Hafen ausgehende Kraft für die Entwicklung der Hafenstadt vergegenwärtigt werden.

 

 

Leistungsausweis des Romanshorner Werftkrans

 

Gebaut wurde der Werfthafenkran im Jahr 1905 mit einer Tragkraft von 20 Tonnen. Er hatte viele Zwecke. Zum einen wurden Schiffe fertig ausgerüstet (Abb. 1) und schwere Motoren gehoben (Abb. 2); zum anderen wurden aber auch Schiffe für die Versenkung (Abb. 3 f.) oder die Verschrottung (Abb. 5) zerlegt.

 

Ein erstes besonderes Ereignis fand im Jahr 1916 statt, als ein auf einem Trajektkahn gekippter Güterwagen gehoben werden musste (Abb. 6). Von besonderer historischer Bedeutung war das Bergen des amerikanischen Bombers B-17 durch den Romanshorner Werfthafenkran im Oktober 1943 (Abb. 7), welchem sogar General Henri Guisan einen Besuch abstattete.

 

 

Romanshorn Werft betreibt auch künftig einen grossen Hafenkran

 

Im Jahr 1995 wurde der Werftkran umgebaut und die Tragkraft auf 12,5 Tonnen reduziert. Heute ist der Hafenkran ein Blickfang rund um den öffentlich zugänglichen SBS-Bootshafen (Abb. 8). Beim Besichtigen des Hafenkrans entstehen viele Ideen. Inspirierend wirken auch die Nutzungen andernorts wie Friedrichshafen (Integration eines Krans in einen Restaurationsbetrieb), Hamburg oder Rotterdam, wo derzeit die sechste Architekturbiennale unter dem Motto „weniger starre Grenzziehung zwischen Stadt und Landschaft“ steht (Abb. 9).

 

Gemäss Auskunft der Werftbetreiberin soll der Hafenkran künftig wiederum eine höhere Tragkraft erhalten, damit die schweren Schiffsmotoren weiterhin gehoben werden können.

 

 

Nina Stieger, Stadtentwicklerin