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Siedlungsentwicklung nach innen mit Qualität

Abb. 1: Einblick in die Siedlungsstruktur des Stadtkerns mit gestaffelten Gebäudehöhen und achtgeschossigem Rütihof in der Bildmitte
Abb. 2: Bahnhofplatz mit Postgebäude im Vordergrund und achtgeschossigem Rütihof im Hintergrund

 

(aus: Seeblick vom 24. Januar 2014)

 

Im Zusammenhang mit der baulichen Entwicklung des Stadtkerns entflammt immer wieder eine Diskussion über die Höhe von Gebäuden, so zum Beispiel beim Bodan oder «Bahnhöfli». Häufig polarisiert schon die Benennung einer beabsichtigten Baute als Hochhaus, unabhängig davon, ob sie überhaupt zu dieser Gebäudeform gezählt werden kann. Allerdings hat mit der wiederholten Gutheissung einer Siedlungsentwicklung nach innen durch die Stimmbevölkerung diese Diskussion seit geraumer Zeit eine Wende genommen, indem eine deutliche Abkehr von der Bebauung freier Landschaften durch bauliche Verdichtungen innerhalb des besiedelten Gebiets gefordert wird.

 

 

Siedlungsentwicklung nach innen bedeutet dichteres Bauen

 

Bei der Umsetzung der Siedlungsentwicklung nach innen gibt es drei Varianten, nämlich:

  • das kontinuierliche Auffüllen der vorhandenen Grün- und Freiräume durch weiterhin eher niedrige Gebäude (horizontale Entwicklung im weitgehend überbauten Gebiet);
  • das Aufstocken und Ersetzen von Gebäuden als Bauten mit geringem «Fussabdruck», mit der Absicht, die Aussenräume beizubehalten (vertikale Entwicklung im weitgehend überbauten Gebiet);
  • situationsbezogene Mischformen der vorgenannten beiden Varianten.

Es ist offenkundig, dass die dritte Variante deutlich im Vordergrund steht, da es darum geht, bestehende Siedlungs- und Wohnqualitäten zu erhalten oder sogar zu verbessern, was nur mit massgeschneiderten, auf die örtlichen Gegebenheiten eingehenden Lösungen möglich ist.

 

 

Hochhaus als Option

 

Gemäss Planungs- und Baugesetzgebung gilt im Kanton Thurgau eine Baute als Hochhaus, wenn sie mehr als acht Geschosse aufweist oder deren Gesamt- oder Fassadenhöhe 25 Meter überschreitet. Diese Definition ist in der gesamten Schweiz üblich, da bei Gebäuden ab 25 Metern Höhe zusätzliche Brandschutzmassnahmen erforderlich sind. Demgegenüber bezeichnen international tätige Bau- und Immobilienfachleute erst über 50 Meter hohe Bauten als Hochhäuser.

 

In Romanshorn bestehen drei über 25 Meter hohe Häuser (im Eigenheimquartier, an der Kreuzlingerstrasse und das Haus Holzenstein) sowie drei hohe Bauwerke (Kirchtürme der Evang. und Kath. Kirchen sowie Silo im Hafenareal). Der Rütihof gegenüber dem Bahnhof gilt mit seinen acht Geschossen und seinen 25 Metern Gebäudehöhe baurechtlich als höheres Haus und ist Teil der urbanen Hangkulisse von Romanshorn.

 

 

Räume zwischen den Erdgeschossnutzungen als Impulsgeber für das Stadtleben

 

Als Beitrag zur Siedlungsentwicklung nach innen sollen gemäss kantonalen Vorgaben Hochhäuser vor allem in den Zentrumsgemeinden und somit auch in der Stadt Romanshorn realisiert werden. Demnach ist im Rahmen der Revision der Kommunalplanung zu prüfen, wo höhere Häuser oder allenfalls sogar Hochhäuser entstehen können sollen. Bei Hochhäusern ist heute üblich, speziell hohe Anforderungen an die architektonische Qualität, die städtebauliche Einordnung und die Aussenraumgestaltung zu stellen sowie publikumsbezogene Sockelgeschossnutzungen vorzusehen. Die Stadt Romanshorn hat mit dem Gestaltungsplan Kerngebiet bereits ein gutes Instrument für massgeschneiderte Lösungen geschaffen, indem sie in den zugehörigen Bestimmungen festgehalten hat, dass für einzelne Teilgebiete Abweichungen möglich sind, sofern folgende Ziele verfolgt werden:

  • Aufwertung des Umfelds für publikumsintensive Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen;
  • dem Zentrumscharakter entsprechend gute Gestaltung der Bauten sowie der öffentlichen Aussenräume;
  • durchmischte Nutzung mit qualitativ hochstehenden Wohnungen;
  • auf die Nutzung abgestimmte Verkehrsführung und Parkierung.

Diese obgenannten Ziele sind weiterhin aktuell und eine gute Grundlage für die künftige qualitätsorientierte Stadtentwicklung.

 

 

Nina Stieger, Stadtentwicklerin in Romanshorn