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Das Profil schärfen und das wahre Potenzial entdecken

 

(aus: Seeblick vom 5. Dezember 2014)

 

Mit der Ausstellung «Begegnungsräume» sind die Visionen der Workshopteilnehmenden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert worden. Die Ideen aus dem breit abgestützten Mitwirkungsverfahren werden nun in einem räumlichen Leitbild dargestellt und dienen als zentrale Grundlage für die laufende Kommunalplanung.

 

Fortschritt, Weiterentwicklung und qualitatives Wachstum sind nur möglich, wenn die Stimmung gut ist, respektive wenn Entscheide von der Politik, der Bevölkerung und der Wirtschaft gemeinsam getragen werden. Es geht darum, Meinungen ernst zu nehmen, Vertrauen zu schaffen und miteinander Visionen zu kreieren.

 

Im aktuell laufenden Mitwirkungsverfahren ist die Bevölkerung eng eingebunden. Rund 100 Frauen und Männer arbeiten derzeit an der Weiterentwicklung ihrer Hafenstadt. Die in den vier Gruppen «Gastro und Einkaufen», «Wirtschaft und Verkehr», «Kultur und Bildung» sowie «Freizeit und Sport» an verschiedenen Arbeitssitzungen gemeinsam erarbeiteten Leitsätze und Ideen zum räumlichen Leitbild lassen viele Optionen offen.

 

Vor Kurzem hatte die Bevölkerung erstmals Gelegenheit, den zahlreichen Ideen der Workshopteilnehmenden auf die Spur zu gehen. Das Interesse war gross, und die vielen Ideen wurden unter den Präsentierenden und Besuchenden rege diskutiert. Themen waren dabei unter anderem wasserbezogene Bildungsangebote, Aufwerten von Landmarken wie Kornhaus oder Zollhaus, Innenstadt mit Herz, die Weiterentwicklung der seeseitigen Areale, Attraktivierung des Fuss- und Velonetzes sowie ein Bildungs- und Bewegungscampus. Dabei sind gemeinsame Synergien deutlich zum Vorschein gekommen, was als Zeichen für Urbanität gewertet werden kann.

 

 

Der Workshop-Prozess im Überblick

 

100 Romanshornerinnen und Romanshorner haben sich für die Beteiligung am breit abgestützten Mitwirkungsverfahren entschieden. An der Zukuntskonferenz vom 1. April kamen bereits viele Ideen und Anregungen zusammen. Die Zahl «vier» hatte es am Auftaktabend in sich. So hatten alle Anwesenden ihre Ideen vier Mal zu vier

Themenbereichen einbringen und auf vier vier Quadratmeter grossen Tischen festhalten können.

 

 

Am 7. Mai arbeiteten die Workshopteilnehmenden an den einen Monat zuvor eingebrachten Ideen weiter. Dabei ging es darum, die sehr breite Vielfalt von Vorstellungen vier Kategorien zuzuordnen, nämlich dem «Räumlichen Leitbild» (allgemeine Absicht), einem «Schlüsselprojekt» (komplexes Vorhaben mit Realisierungszeit bis zehn Jahre), «Impulsprojekt» (überschaubares Vorhaben mit Realisierungszeit bis drei Jahre) sowie «Übrige» (Zuordnung noch nicht möglich). Im Weiteren wurden die Projekte ein erstes Mal auf Machbarkeit und Priorität eingeschätzt.

 

 

Am 18. August wurden die bisherigen Arbeiten zusammengefasst und von externen Fachpersonen gespiegelt. Daraus entstanden schärfere Konturen. Es resultierten Entwicklungsschwerpunkte wie die «Innenstadt mit Herz», der «Hafenpark», der «Seepark» oder der «Bildungs- und Bewegungs-Campus».

 

 

Am vierten Workshop vom 18. September konnten die Kernaussagen der Ideen und Anregungen in knapp 20 Leitsätzen festgehalten werden. Bei deren Verabschiedung an den Stadtrat herrschte Einstimmigkeit.

 

 

Für die Ausstellung vom 22. November scheuten die Workshopteilnehmenden keine Mühe, um ihren Visionen ein Gesicht zu geben. Der öffentliche Anlass «Begegnungsräume – Mitwirkende stellen aus» war nicht nur für die Präsentierenden ein Meilenstein. Auch die zahlreich erschienene Bevölkerung sieht grosses Potenzial in der weiteren Entwicklung der Hafenstadt.

 

 

Stimmen zur Ausstellung

 

«Es ist sehr schön, dass die Bevölkerung frühzeitig und breit ins Boot geholt wurde. Wichtig ist nun, die richtigen Prioritäten zu setzen und den vorhandenen Enthusiasmus weiter zu nutzen.»

Daniela und Walter Scherrer

 

«Die Ausstellung ist sehr gut, informativ, und einiges lässt sich sogar kurzfristig umsetzen. Ein mögliches Beispiel ist eine einfach verständliche Beschilderung beim Bahnhof. Besuchende, die von der Fähre kommen, sind oft verunsichert, wo was zu finden ist. Mit einer übersichtlichen Informationstafel würden sich die Gäste nicht nur schnell zurechtfinden, sondern sich auch besser abgeholt fühlen.»

Christine Jenny

 

«Das Vorgehen ist sehr gut. Ich habe viele Informationen gefunden, und die Flut von Ideen ist äusserst positiv. Die Priorisierung ist für mich aber noch nicht ganz klar.»

Claudio Calonder

 

 

Bedeutung des Mitwirkungsprozesses aus Sicht von Nina Stieger, Stadtentwicklerin

 

Jede Stadt entwickelt sich auf ihre eigene Art. In Romanshorn bestehen ausgezeichnete Voraussetzungen für eine prosperierende Entwicklung. Diese wurden bereits Mitte des 19. Jahrhunderts genutzt, um hier den grössten Hafen am Bodensee und einen Eisenbahnknotenpunkt zu realisieren. Während der Gründerzeit (1840 bis 1914)

entstand eine Hafenstadt, die hauptsächlich von Handel, Industrie und Tourismus lebte. Dank der guten Erreichbarkeit wurde Romanshorn auch zu einem wichtigen Bildungsort der Region.

 

Der begonnene Prozess des Einbezugs der Bevölkerung in die Entwicklung ihres Lebensraumes und das klare Bekenntnis zu Qualität wird weit über die Region hinaus wahrgenommen, und zwar auch bei der Wirtschaft, die solche Initiativen sehr schätzt, da sie Vertrauen schaffen. Nun gilt es, den Elan zu nutzen und den Kreis der Beteiligten kontinuierlich zu erweitern. Ich freue mich, wenn zu eingebrachten Ideen Mehrheiten gefunden werden. So können wir uns künftig in attraktiven Begegnungsräumen wie «Sternenplatz», «Kornhauswiese», «Hafenpromenade» und «Bildungs- und Bewegungscampus» treffen. Es macht Freude, hier in Romanshorn an die Traditionen anzuknüpfen und mit Ihnen zusammenzuarbeiten.

 

 

Bedeutung des Mitwirkungsprozesses aus Sicht von Joëlle Zimmerli, Raumentwicklerin

 

Joëlle Zimmerli vom Büro Zimraum, Zürich, hat das Mitwirkungsverfahren fachlich unterstützt. «Romanshorn reiht sich mit dem gewählten Prozess in die Reihe der progressiven Städte ein», sagt die Zürcher Raumentwicklerin. Auch die Städte Aarau, Biel, Solothurn und Winterthur hätten die Bevölkerung eng in die Stadtentwicklung einbezogen. «So konsequent wie Romanshorn hat dies bisher meines Wissens aber niemand gemacht.»

 

Die Zürcher Raumentwicklerin lobt die Arbeit in der Hafenstadt und zeigt sich auch über die gelungene Ausstellung sehr erfreut. «Die Workshopteilnehmenden haben ihre Ideen sehr gut und verständlich auf den Punkt gebracht. Die Hauptthemen sind geschärft worden.» Wichtig sei aber auch, dass Synergien erkennbar wurden. «Das sind Zeichen für Urbanität.» Für die Weiterentwicklung einer Stadt sei das Miteinander von sehr grosser Bedeutung.

 

 

Weiterarbeit an der Entwicklung der Hafenstadt, Stadtammann David H. Bon

 

Es ist mir ein wichtiges Anliegen, allen Beteiligten am Workshop-Prozess 2014 für ihr Engagement herzlich zu danken. Die Ergebnisse des Workshopverfahrens werden nun in einem räumlichen Leitbild dargestellt und im Frühjahr 2015 der Öffentlichkeit präsentiert. Es ist für den Stadtrat eine zentrale Grundlage für die laufende Revision der Kommunalplanung sowie für die kommende Legislaturplanung. Nun geht es darum, vorhandene Ideen bezüglich Realisier- und Finanzierbarkeit zu prüfen sowie allenfalls Partner zu suchen. Wir werden schon bald über erste Konkretisierungen betreffend den Themen «Innenstadt mit Herz» sowie «Bildungs- und Bewegungscampus» in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren informieren und die Interessierten einbeziehen.