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"Dä Willy": Seit acht Jahren freiwilliger Senior im Klassenzimmer

07.06.2018 17:04



"Dä Willy" - so wird er von den Kindern und Jugendlichen in Romanshorn lapidar genannt. Willy Burgermeister ist ein äusserst beliebter Senior im Klassenzimmer. Seit acht Jahren begleitet, unterstützt und lehrt er in Romanshorner Schulzimmern an zwei Vormittagen pro Woche - und das völlig unentgeltlich.

Das Interview mit ihm steht stellvertretend für sehr viele freiwillige Helferinnen und Helfer in den verschiedensten Bereichen, denen wir an dieser Stelle wieder einmal ganz herzlich danken möchten für ihr wertvolles ehrenamtliches Engagement.

 

Begeisterung auf Junge übertragen

Willy darf man duzen wie einen Grossvater – und wie ein Grosspapi steckt er einem manchmal ein paar Kirschen oder ein Schoggistengeli zu.

Während der Unterrichtszeit muss man bei ihm aber schon auch lernen und üben, meistens in kleineren Grüppchen. Herr Burgermeister ist sprachtalentiert und überträgt seine Begeisterung gerne auch auf die jungen Lerner.

Andererseits ist er aber nicht der belehrende Alleswisser, sondern gibt vor den Schülerinnen und Schülern unumwunden zu, wenn er etwas selber nicht versteht. Dann geht man halt zu zweit beim Lehrer vorbei und informiert sich, wie man heute Divisionen rechnet.

Ab und zu wird Willy Burgermeister vom Assistenten zum Hauptlehrer, nämlich dann, wenn er einmal pro Jahr einen Vortrag über seine Reisen oder über Themen aus seinem früheren Berufsleben hält. Oder auch dann, wenn er interessante Gäste ins Klassenzimmer einlädt, zum Beispiel jemanden, der eine Schlange als Haustier hält.

Es gibt doch nichts Spannenderes als ein echtes Tier, das man sogar berühren darf, und über das man Wissenswertes erfährt. Genauso attraktiv sind für die Schüler Willys Ausflüge auf den Kamelhof, in den Zoo oder auf den Märlihof.

Darum hält der «Senior im Klassenzimmer» immer Augen und Ohren offen, und sobald er etwas Reizvolles aufgespürt hat, fängt seine Planung an. Ist die Idee zu einem Projekt gereift, beginnt die Umsetzung. Aktuell schwirren schon wieder diverse Gedankenblitze durch seinen Kopf, aber davon sei kein Wort verraten, denn es soll ja für die Schüler eine Überraschung werden.

 

Ein Willy für alle Fälle

Es ist aber nicht nur die angenehme Vermittlung von Schulstoff, was die Kids an Willy so lieben. Sie finden es natürlich cool, dass er trotz Seniorenalter mit ihnen Fussball spielt, sich ab und zu mit ihnen balgt oder sie sogar am Mittwochnachmittag an das kantonale Schülerfussballturnier chauffiert. Nach dem Übertritt in die Sekundarstufe verspricht Willy seinen Schützlingen, dass er sie noch einmal in der neuen Klasse besuchen wird. Dann aber konzentriert er sich auf die nachrückenden Primarschüler, die sich bereits auf die Zusatzbetreuung freuen.

 

Beliebt bei Kindern, Eltern und Lehrern

Zwei Mädchen aber liessen nach der sechsten Klasse nicht locker und fanden, er könne ruhig noch ein bisschen weitermachen. Seither herrscht ein regelmässiger E-Mail-Verkehr zwischen Willy und ihnen, einmal in Englisch, einmal in Französisch.  

Und hier betont Willy Burgermeister, das geschehe selbstverständlich mit dem Einverständnis der Eltern. Er ist sich durchaus bewusst, dass so ein reger E-Mail-Austausch Nicht-Eingeweihten auch verdächtig erscheinen könnte. In dieser Hinsicht braucht sich Willy Burgermeister aber keine Sorgen zu machen, zu bekannt ist er bei Kindern, Eltern und Lehrern.

 

 

Später mit dem Rollator ins Schulzimmer

Und gerade das schätzt der bescheidene Senior auch über alle Massen. Er sagt, er brauche keine Verantwortung zu übernehmen, ernte aber grosse Dankbarkeit und geniesse, was nicht selbstverständlich sei, das Vertrauen der Kinder und Eltern. Er liebe die Freiwilligenarbeit, weil sie ihn jung halte. So jung, dass er sicher noch weitermache, bis er 80 Jahre alt sei. Aber eigentlich könne er sich sogar vorstellen, dereinst noch mit dem Rollator ins Schulzimmer zu gehen.

 

Denn Erlebnisse wie das folgende sind für ihn der schönste Lohn: Nach einem Zoobesuch verlangten die Lehrer, dass sich die Schüler in Zweierkolonne aufreihten. Herr Burgermeister bemerkte erst, dass es in dieser Klasse eine ungerade Schülerzahl hatte, als sich die kleine Hand einer Viertklässlerin in die seine schob, das Mädchen ihm fröhlich zuzwinkerte und neckisch meinte: "Gell Willy, ich cha scho mit dir laufe."

 

Kommission Altersfragen

 

Stadträtin Käthi Zürcher

 

Ressortverantwortliche Gesundheit

 

 

 

 


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