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Romanshorn lebt die Biodiversität

Seit drei Jahren fördert die Stadt Romanshorn systematisch die Biodiversität, etwa mit renaturierten Bächen und Wildblumenbepflanzung in Parks, Wiesen und an Strassen. Die Bevölkerung freuts.

Anfangs November 2019 will die kantonale Grüne Partei die Unterschriften für die "Volksinitiative Biodiversität Thurgau" einreichen, welche die Arten- und Lebensraum-Vielfalt stärken und fördern soll, unter anderem mit einer kantonalen Biodiversitätsstrategie. Am Handlungsbedarf dafür lässt das Bundesamt für Umwelt keinen Zweifel. Es meldete 2017, dass in der Schweiz inzwischen 60 Prozent der Flächen im Siedlungsraum versiegelt sind. Ursache für den Druck auf die Biodiversität ist die steigende Bevölkerungszahl und damit einhergehend verdichtetes Bauen sowie eine erhöhte Mobilität.

Win-win für die Natur wie die Stadt
"Die Gesellschaft gewöhnt sich an Veränderungen, bevor sie die Einbussen erkennt. Es ist deshalb wichtig, dass die Wahrnehmung geschärft und frühzeitig gehandelt wird", heisst es im Bericht. In Romanshorn rannte das Bundesamt damit offene Türen ein. Denn in der Hafenstadt setzt man bereits seit Jahren bewusst und mit System auf Biodiversität. Erste Erfahrungen wurden indessen bereits vor bald 20 Jahren gesammelt, indem Grünflächen beim Schlösslipark sowie beim Parkplatz der Firma Hydrel mit Saatgut einheimischer Flora zu Wildblumenwiesen aufgewertet wurden, die bis heute Bestand haben.

"Vor rund drei Jahren hat die Stadt dann beschlossen, die Biodiversität konzeptionell zu fördern", erklärt Peter Höltschi, Leiter Betriebe Bau und Verkehr. Dafür wurden von der Bevölkerung und Touristen wenig genutzte Grünflächen im und um den Seepark sowie Flächen im Strassenraum ausgewählt. Sie wurden mit Wildblumenwiesen, sogenannten Magerwiesen, bestückt. "Die Vorteile sind vielfältig", so Höltschi. Einerseits bieten sie Pflanzen, Insekten und kleinen Tieren einen natürlichen Lebensraum. Andererseits reduziert sich der Aufwand beim Unterhalt der Flächen für die Stadt deutlich.

Komplimente für die schönen Wiesen
Ein gutes Beispiel ist auch der Schlosspark bei der katholischen Kirche: Im April 2018 wurde die Hälfte der Fläche, ungefähr 2‘500 Quadratmeter, mit einer speziellen Wildblumenmischung eingesät. Die Restfläche folgte in diesem Jahr. In absehbarer Zeit entsteht so eine Blumenwiese, die gemäss Höltschi jederzeit auch betreten werden dürfe, weil die einzelnen Pflanzen eine hohe Standfestigkeit haben. "Hier würden sich auch für Schulklassen Projekte anbieten". Erfolgreich ist der Ansatz auch bei Flächen rund um die Bäume entlang der Schulstrasse. Oft würden Werkhofmitarbeiter Komplimente erhalten für die schönen kleinen Wiesen.

Renaturierte Bäche schützen vor Hochwasser
Ein weiterer Beitrag zur Biodiversität ist die Renaturierung der Bäche. Diese gefallen nicht nur den Spaziergängerinnen und Joggern, sondern haben einen ganz konkreten Nutzen: Sie helfen mit, die Hochwassergefahr zu minimieren. Dafür werden Bachläufe ursprünglich gestaltet, etwas mit dem bewussten Einsatz von Totholz, Steinen und verschiedenen Bepflanzungen, die Pflanzen­, Pilz­, Flechten- und Tierarten eine Heimat bieten. "Wir sind auf einem guten Weg und werden ihn weiterverfolgen", so Höltschi.

Bildlegende: Biodiversität seit Jahren ein Thema: Wildblumenwiese mit Insektenhotel auf dem Stadtgebiet.
(Bild: Stadtverwaltung Romanshorn / Rolf Müller)

Stadt Romanshorn